Vorgaben entfesseln und bessere Abstimmung

Im Austausch mit Vertretern der Kreishandwerkerschaft Borken

11.12.2020, 11:30 Uhr

Wie steht es um die Ausbildung in den Handwerksbetrieben im Kreis Borken? Darüber haben Kreishandwerksmeister Günther Kremer und Geschäftsführer Daniel Janning mit dem Vredener Bundestagsabgeordneten Johannes Röring gesprochen.

Bei ihrem gemeinsamen Termin ging es vor allem um die Corona-Pandemie und die Auswirkungen auf das Handwerk im Westmünsterland. „Viele Handwerksbetriebe sind momentan stark gebeutelt“, berichtet Daniel Janning. „Besonders die Handwerksbetriebe mit Nahrungsmittelbezug haben extreme Existenzängste. Fleischereien, Bäckereien, Cafes und Restaurants – die vielen Veranstaltungen mit großem Catering von der Kommunion bis zur Weihnachtsfeier werden nicht nachgeholt“, ergänzt Günther Kremer.

Einige Handwerksbetriebe, wie zum Beispiel Tischlereien mit Schwerpunkt Ladenbau oder Messebau, merken nun verspätet, wie sich die Pandemie auch auf ihre Branche auswirkt. Das kann daran liegen, dass die Auftragsbücher Anfang des Jahres noch voll waren und nun die Aufträge abgearbeitet werden. „Besonders im Geschäftskundenbereich werden vermehrt Investitionen zurückgehalten“, so Janning. Nun versuchen manche Betriebe, andere Märkte zu durchdringen und so zum Beispiel nun auch Privatkunden zu bedienen.

„Viele stehen mit dem Rücken zur Wand“, erklärt Handwerksmeister Günther Kremer bestürzt. „Der familiengeführte Mittelstand nimmt die soziale Verantwortung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr ernst. Bevor hier über Entlassungen nachgedacht wird, geht es häufig an die eigenen finanziellen Rücklagen.“ Auch Johannes Röring stimmt zu, „das gilt besonders für unseren ländlichen Raum.“ Dabei kommen laut den Vertretern der Kreishandwerkerschaft Borken viele Corona-Hilfen von Bund und Land oder auch die beschlossene Azubiprämie nicht in den Betrieben an. Viele Voraussetzungen seien starr definiert und lassen die hiesigen Handwerksbetriebe häufig durchs Raster fallen. Der CDU-Abgeordnete verspricht, hier den Austausch zu Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier aufzusuchen und die Anregungen zur Verbesserung vorzutragen.

Neben der Thematik rund um Corona haben die drei auch über die momentane Lage des Ausbildungsmarkts gesprochen. Eine aktuelle Auswertung der Kreishandwerkerschaft Borken deckt auf, dass für 2020 noch über 300 Ausbildungsplätze und 500 Praktikumsplätze unbesetzt sind. Grund dafür ist vor allem die in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie kaum stattgefundene Berufsorientierung, wie z.B. ausgefallene Berufsorientierungsmessen, fehlende persönliche Kontakte zwischen Betrieben und Schülern und der leichtere Übergang zu den weiterführenden Schulen. „Hier konnten sich die Schülerinnen und Schüler ohne große Voraussetzungen online anmelden. Für einige von Ihnen wäre erfahrungsgemäß die duale Ausbildung die bessere berufliche Perspektive“, so Janning.

Der Bundestagsabgeordnete Johannes Röring nimmt einige Ideen und Anregungen mit nach Berlin. „Wir müssen es schaffen, die Vorgaben für Förderrichtlinien zu entfesseln. Außerdem müssen sich Bund und Länder enger mit den Berufsgenossenschaften bei Neuauflagen der Corona-Schutzverordnung austauschen, um eindeutige Regelungen für die Betroffenen zu finden. Eine Vereinheitlichung ist hier eine Vereinfachung“, so Röring.